
Zwei Ebenen
MOTS-c wirkt über Signalwege, SS-31 direkt an der Mitochondrienmembran.
Nicht alles ist ein Peptid
NAD+ ist ein Coenzym, kein Peptid. Wir schreiben das dazu.
Kühlkette
Wie alle Pens: 2–8 °C, lichtgeschützt, nicht einfrieren.
Die Pens in diesem Bereich




Worum es in diesem Forschungsbereich geht
Fast alles, was eine Zelle tut, kostet Energie, und fast alle davon entsteht in den Mitochondrien. Dieser Bereich bündelt die Compounds, die genau dort untersucht werden, statt sie unter dem sehr breiten Begriff Longevity zu verstecken.
MOTS-c ist ungewöhnlich, weil es nicht im Zellkern kodiert ist, sondern im Genom der Mitochondrien selbst. Untersucht wird es im Zusammenhang mit der Regulation des Stoffwechsels über den AMPK-Signalweg. SS-31 setzt eine Ebene tiefer an: es bindet an Cardiolipin, ein Lipid der inneren Mitochondrienmembran, das für die Struktur der Atmungskette gebraucht wird.
NAD+ gehört thematisch dazu, ist aber streng genommen kein Peptid, sondern ein Coenzym, das an fast jeder Redoxreaktion im Energiestoffwechsel beteiligt ist. 5-Amino-1MQ wiederum wird als Hemmer von NNMT untersucht, einem Enzym des Nicotinamid-Stoffwechsels, und hängt darüber mit demselben Netzwerk zusammen.
Warum dieser Bereich getrennt steht
Weil ein Sammelbegriff, unter dem alles passt, für niemanden nützlich ist. Ein Compound, der an einer Membran in den Mitochondrien ansetzt, und einer, der die Reifung von T-Zellen betrifft, haben inhaltlich nichts miteinander zu tun, auch wenn beide gern als Longevity verkauft werden.
Die Studienlage ist auch hier überwiegend präklinisch: Zellkultur und Tiermodell. Kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen für diese Compounds weitgehend.
Vier Moleküle, vier völlig verschiedene Angriffspunkte
Dieser Bereich ist der ungleichmäßigste im ganzen Sortiment, und das ist kein Mangel, sondern der Grund, warum er interessant ist. Die vier Stoffe hier greifen an vier verschiedenen Stellen des Energiestoffwechsels an, und drei von ihnen sind nicht einmal Peptide im gewöhnlichen Sinn.
MOTS-c wird nicht im Zellkern kodiert, sondern in einem kurzen Leserahmen von 51 Basenpaaren innerhalb des mitochondrialen Gens MT-RNR1. Ein Oberflächenrezeptor ist nicht identifiziert; beschrieben wird ein Eingriff in Folatzyklus und Purinbiosynthese, wodurch AICAR anfällt und AMPK aktiviert wird. SS-31, mit dem Freinamen Elamipretide, bindet an ein Lipid statt an einen Rezeptor: an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran.
NAD⁺ ist kein Wirkstoff im klassischen Sinn, sondern ein Coenzym: Substrat und Cofaktor von Sirtuinen, PARPs und CD38. Und 5-Amino-1MQ ist als einziger Stoff in diesem Shop überhaupt kein Peptid, sondern ein kleines Molekül aus der Klasse der Chinolinium-Verbindungen, das das Enzym NNMT hemmt, mit einem gemessenen IC50 von 1,2 µM.
Vier Stoffe, ein Mitochondrium, vier verschiedene Fragen: die Genexpression, die Membranstruktur, der Cofaktorpool und ein Enzym des Nicotinamid-Stoffwechsels. Was sie verbindet, ist nicht ein gemeinsamer Mechanismus, sondern ein gemeinsamer Ort in der Zelle. Für Versuchsplanungen ist das ein Vorteil: die vier lassen sich nebeneinander betrachten, ohne dass sich ihre Angriffspunkte überlagern.

