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Regeneration

TB-500: sieben Aminosäuren, nicht dreiundvierzig

Ein Fragment trägt den Namen des Originals, aber nicht automatisch dessen Eigenschaften. Bei TB-500 ist das der ganze Punkt.

8 Minuten LesezeitStand: 10. September 2026

Symbolbild

Wer zu TB-500 recherchiert, stößt schnell auf klinische Studien: Phase-2-Arbeiten bei Druckulzera und venösen Ulzera, ein Programm bei Epidermolysis bullosa, sogar eine Phase-3-Studie mit Augentropfen. Diese Studien existieren wirklich. Sie betreffen nur nicht TB-500. Das ist die wichtigste Information auf dieser Seite, und sie steht deshalb ganz oben.

Zwei Moleküle, ein Name

Thymosin beta-4 ist ein körpereigenes Protein aus dreiundvierzig Aminosäuren, geführt unter der UniProt-Nummer P62328. In der reifen, am N-Terminus acetylierten Form wiegt es rund 4964 Dalton. Seit 2018 hat es sogar einen von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Freinamen: Timbetasin.

TB-500 ist etwas anderes. Es ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz Ac-Leu-Lys-Lys-Thr-Glu-Thr-Gln, Summenformel C38H68N10O14, Molmasse 889 g/mol. Das ist weniger als ein Fünftel der Masse des Proteins. Beide Substanzen unter demselben Namen zu führen ist der häufigste Fehler in diesem Themenfeld, und manche Anbieter werben sogar mit der in sich widersprüchlichen Bezeichnung TB-500 Full-Length 43 AA.

Thymosin beta-4TB-500
Aminosäuren437
Molmasserund 4964 g/mol889 g/mol
Herkunftkörpereigenes Proteinsynthetisches Fragment
FreinameTimbetasin (WHO, 2018)keiner
DatenbankUniProt P62328PubChem, Acetat CID 155977548
Studien am MenschenPhase 2 und Phase 3keine

Wo das Fragment im Protein sitzt

Zählt man die Sequenz des Proteins durch, liegt das konservierte aktinbindende Motiv LKKTET bei den Resten 17 bis 22. TB-500 umfasst die Reste 17 bis 23, also dieses Motiv plus ein zusätzliches Glutamin, und trägt eine Acetylgruppe am N-terminalen Leucin. Wer im Netz liest, LKKTET sei Rest 17 bis 23, hat eine Ungenauigkeit vor sich, die sich seit Jahren fortpflanzt.

Beim Lesen prüfen

Steht in der zitierten Arbeit Thymosin beta-4, Tβ4 oder Timbetasin, geht es um das 43er-Protein. Steht dort TB-500 oder Ac-LKKTETQ, um das Siebener-Fragment. Diese eine Prüfung erspart die meisten Fehlschlüsse zu diesem Compound.

Reicht das Motiv allein?

Die naheliegende Annahme lautet: wenn LKKTET das aktinbindende Motiv ist, dann müsste das Fragment im Wesentlichen dasselbe tun wie das Protein. Die Literatur sagt etwas anderes. Eine biochemische Arbeit von 2008 mit dem Titel Widely Distributed Residues in Thymosin β4 Are Critical for Actin Binding untersuchte, welche Reste für die Bindung an Aktin nötig sind.

Das Ergebnis: neben Lys18 und Lys19, deren Austausch die Affinität um eine Größenordnung oder mehr schwächt, erwiesen sich auch Pro4, Pro27, Leu28, Pro29 und Ile34 als kritisch. Diese Reste liegen sämtlich außerhalb des Motivs, teils weit davor, teils weit dahinter. Die Autoren sprechen von einer großen, breit verteilten Bindungsfläche. Die Kristallstruktur des Komplexes bestätigt das: das Protein greift das Aktinmonomer an beiden Enden.

Hinzu kommt, dass Thymosin beta-4 mehrere funktionell getrennte Abschnitte besitzt. Das N-terminale Ac-SDKP wird mit entzündungs- und fibrosebezogenen Effekten in Verbindung gebracht, ein N-terminales 15er-Fragment mit Zellüberleben, und die Sequenz LKKTETQ mit Angiogenese und Zellmigration. TB-500 enthält nur den letzten dieser Abschnitte.

Nach einer Literaturrecherche wurden keine Arbeiten gefunden, in denen TB-500 Menschen verabreicht wurde.

Die klinischen Studien im Einzelnen

Der Satz oben stammt sinngemäß aus dem FDA-Briefing-Dokument von Juli 2026 und ist eindeutig. Sämtliche unten genannten Studien verwendeten Thymosin beta-4 in voller Länge, nicht das Heptapeptid.

StudieSubstanzStand
Phase 2, Druckulzera, 72 Teilnehmer, topisches GelTβ4, volle Längeabgeschlossen 2008
Phase 2, venöse Ulzera, 72 Teilnehmer, topisches GelTβ4, volle Längeabgeschlossen 2009
Phase 2, Epidermolysis bullosa, topisches GelTβ4, volle Längevorzeitig beendet, keine Ergebnisse publiziert
Phase 3, neurotrophe Keratopathie, AugentropfenTβ4, volle Längeeine Studie publiziert 2023, 18 Patienten
Phase 3, trockenes Auge, drei StudienTβ4, volle Längeprimäre Endpunkte nicht erreicht
Irgendeine Studie mit TB-500 selbstHeptapeptidexistiert nicht

Zwei Dinge daran werden in Produkttexten selten erwähnt. Erstens wurde das Programm bei Epidermolysis bullosa abgebrochen, ohne dass Ergebnisse veröffentlicht wurden. Zweitens verfehlten die drei großen Studien bei trockenem Auge, zusammen über sechzehnhundert Patienten, ihre primären Endpunkte. Wer die Datenlage zum Protein als Beleg für das Fragment anführt, führt also nicht einmal eine durchgängig positive Datenlage an.

Doping: namentlich genannt

Anders als bei manchen anderen Compounds gibt es hier keinen Auslegungsspielraum. Die Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur führt in Klasse S2.3, bei den Wachstumsfaktoren und Wachstumsfaktor-Modulatoren, wörtlich Thymosin beta-4 und seine Derivate, zum Beispiel TB-500. Das Verbot gilt jederzeit, im Wettkampf und außerhalb.

Nachweisverfahren per Massenspektrometrie für TB-500 und seine Metaboliten existieren seit Jahren; entwickelt wurden sie ursprünglich für den Pferdesport, in dem das Fragment ab 2011 als Tierarzneimittel im Umlauf war.

Zulassung und Prüfqualität

TB-500 ist nirgends als Arzneimittel zugelassen. Es gibt keine Monografie im Europäischen und keine im Japanischen Arzneibuch, und in der Europäischen Union ist kein Produkt mit diesem Wirkstoff genehmigt. Die FDA hat sich im Juli 2026 gegen die Aufnahme in die Liste für Apothekenrezepturen ausgesprochen.

Interessant für jeden, der Prüfprotokolle liest, ist die Begründung. Die Behörde kritisiert unter anderem, dass übliche Analysenzertifikate von TB-500-Lieferanten weder Gehalt noch Verunreinigungsprofil, Aggregate oder bakterielle Endotoxine prüfen, und dass ein Lieferant Verunreinigungen bis 1,0 Prozent je Einzelsubstanz und 2,0 Prozent insgesamt zulässt, ohne zu benennen, worum es sich handelt. Sie merkt außerdem an, dass Anbieter die CAS-Nummer der freien Base auch für das Acetat verwenden, was sachlich falsch ist.

Stabilität und Lagerung

Eine veröffentlichte Stabilitätsstudie zu TB-500 gibt es nicht. Was kursiert, sind Lieferantenangaben, und die widersprechen einander: der eine nennt 2 bis 8 °C, der andere unter -15 °C und Schutz vor Licht. Für das Pulver werden bei -80 °C zwei Jahre und bei -20 °C ein Jahr angegeben, in Lösung sechs Monate bei -80 °C und ein Monat bei -20 °C.

Ehrlich ist deshalb nur die Auskunft, dass hier Angaben ohne unterliegende publizierte Daten weitergegeben werden. Praktisch heißt das: kühl, dunkel, nicht schütteln, nicht einfrieren nach dem Öffnen, und die Lösung vor jeder Entnahme ansehen.

Die vier häufigsten Fehler

  • TB-500 und Thymosin beta-4 als dasselbe behandeln. 889 gegen 4964 Dalton, sieben gegen dreiundvierzig Reste.
  • Studien des Proteins dem Fragment zuschreiben. Mit dem Fragment selbst gab es nie eine Studie am Menschen.
  • Den Freinamen Timbetasin als Beleg für eine Zulassung lesen. Ein Freiname ist eine Namensvergabe der WHO, keine Genehmigung, und er bezeichnet das Protein.
  • Behaupten, TB-500 stehe nicht auf der Dopingliste. Es steht dort namentlich, in Klasse S2.3.

Alle beschriebenen Compounds sind Research Grade und ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke bestimmt, nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr. Dosierungsangaben für den Menschen stehen hier nicht, und für TB-500 gibt es sie auch nicht: eine humane Dosisstudie existiert nicht.

Quellen

Verwiesen wird auf Primärquellen: Substanzdatenbanken, Proteindatenbanken und die Dokumente der Anti-Doping-Agenturen. Keine Sekundärtexte und keine Anbieterseiten.

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